
"Der Ansatz der USA ist sehr sinnvoll - aber die Umsetzung ist miserabel"
n-tv
Die Konfliktforscherin Nicole Deitelhoff hält den Verhandlungsansatz der USA bei den Gesprächen mit Russland und der Ukraine für sinnvoll, die konkrete Umsetzung jedoch für "miserabel". Dass die USA und Russland offenbar auch über den Abbau von Sanktionen sprechen, findet Deitelhoff "generell nicht unvernünftig".
Für ein etwaiges Entgegenkommen bei den Nord-Stream-Pipelines gelte das allerdings nicht: "Denn die Nord-Stream-Pipelines wären ja gar nicht so einfach in Betrieb zu nehmen. Ich bin unsicher, ob die US-Unterhändler das nicht wissen, oder ob sie sich sagen: Wir können den Russen Nord Stream ruhig zum Fraß vorwerfen, denn faktisch wird da ohnehin nichts passieren." Positiv bewertet Deitelhoff die Gespräche über eine Friedenstruppe in der Ukraine - aktuell sei die zwar nicht realistisch. "Aber mit Blick auf Europa ist das, was da gerade passiert, durchaus bedeutsam."
ntv.de: Die USA verhandeln in Saudi-Arabien abwechselnd mit Russland und der Ukraine. Ist das ein erfolgversprechendes Vorgehen bei Waffenstillstandsverhandlungen?
Nicole Deitelhoff: Ja, grundsätzlich ist das Vorgehen der USA sehr sinnvoll. Wenn man es mit zwei Konfliktparteien zu tun hat, die so sehr ineinander verkeilt sind, dann ist eine solche Shuttlediplomatie ein gängiges Verfahren. Dann gibt es einen Vermittler, in diesem Fall die USA, der zwischen den beiden verfeindeten Parteien hin und her pendelt. Der Vermittler versucht, an einem Tisch Zugeständnisse zu erreichen, und geht damit an den anderen Tisch.