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Schweden und Finnland: Sicherheitspolitische Kehrtwende im Norden
n-tv
Schweden und Finnland haben schnell erkannt, dass Russlands Überfall auf die Ukraine ein radikales Umdenken erfordert. Unvorbereitet waren sie nicht: Schweden etwa hatte die Wehrpflicht schon 2017 wieder eingeführt.
Ein Montagmittag in Stockholm: Trotz eisiger Kälte haben sich um die hundert Menschen auf dem Sergels Torg, einem zentralen Platz der schwedischen Hauptstadt, versammelt. Es ist ein berührender Moment, als ein Junge die ukrainische Nationalhymne anstimmt. Jeden Montag um die gleiche Zeit versammeln sich hier Bürgerinnen und Bürger, um ihre Solidarität mit der Ukraine auszudrücken. Neben Beiträgen von Politikern und Kulturschaffenden werden ukrainische Lieder gesungen. Die Menschen auf dem Platz teilen ihre Ängste und Hoffnungen und zeigen vor allem eins - ihr Mitgefühl und ihre Solidarität mit den Ukrainerinnen und Ukrainern, die sich unter großen Opfern dem russischen Aggressor entgegenstellen.
Seit dem 24. Februar 2022, dem Tag, als russische Truppen die Ukraine überfielen, hat sich in der schwedischen Gesellschaft viel verändert. Schweden engagiert sich aktiv in der humanitären Hilfe für die Ukraine, nahm Flüchtlinge auf und stellte umgehend finanzielle Unterstützung für Hilfsorganisationen bereit. Und es änderte sich auch etwas in der öffentlichen Wahrnehmung: Viele Bürgerinnen und Bürger wurden sich der zunehmenden Bedrohungen durch Russland bewusst, was zu einer erhöhten Unterstützung für eine stärkere Verteidigungspolitik führte.
"Wenn man sich der Bedrohung bewusst ist, ist man besser vorbereitet." Ein Satz, den man oft hört. Und er kommt nicht überraschend, denn das schwedische Konzept der "Gesamtverteidigung" (auf Schwedisch "Totalförsvar", also wörtlich "Totalverteidigung") ist ein umfassender Ansatz zur nationalen Sicherheit, der sowohl militärische als auch zivile Aspekte integriert. Es zielt darauf ab, die Gesellschaft als Ganzes auf mögliche Bedrohungen und Krisen vorzubereiten, sei es durch militärische Aggression, Naturkatastrophen oder andere Notlagen. Um dies zu gewährleisten, hat Schweden eigens einen Minister berufen: Carl Oskar Bohlin ist der schwedische Minister für zivile Verteidigung und spielt eine Schlüsselrolle bei der Umsetzung des Gesamtverteidigungskonzeptes. Sein Ministerium ist verantwortlich für die Koordination von Maßnahmen zur zivilen Verteidigung und Krisenbewältigung.