Minijobs sind eine Verzwergungsmaschine für qualifizierte Frauen
Süddeutsche Zeitung
Nicht nur Arbeitgeber, auch viele Ehefrauen finden Minijobs praktisch. Sieben Millionen solcher Stellen gibt es im Land. Doch für die Frauen ist es ein riskanter Weg in die Teilzeitfalle - und möglicherweise in die Altersarmut.
Weniger Erwerbsarbeit ist völlig in Ordnung. Die Zeit mit den Kindern ist schön, für die Familie gibt es genug zu erledigen. Mit dem Minijob fügt es sich da scheinbar passend, vor allem für Frauen: Den Lohn gibt es ohne Abzüge, man hat wenig Papierkram zu erledigen, und der Café-Betreiber ums Eck ist dankbar, dass seine neue Bedienung mit Masterabschluss so schön mit den Gästen parlieren kann. Außerdem hat der Steuerberater gesagt, dass es sich jetzt gar nicht lohne, mehr zu arbeiten. Willkommen in der Teilzeitfalle.
Minijobs sind die Leimrute des Arbeitsmarktes. Wer sich einmal hier niedergelassen hat, der kommt so schnell nicht wieder auf die Beine. Das bisherige System ist so gestrickt, dass Mehrarbeit mit höheren Abgaben bestraft und soziale Unsicherheit befördert wird. Und so bleiben eben viele Beschäftigte da, wo sie typischerweise nach dem Kindersegen gelandet sind: Teilzeit im Minijob. Arbeitsminister Hubertus Heil will die Regeln jetzt ändern, will den Minijobberinnen und Minijobbern den Weg zu regulären Teil- und Vollzeitjobs ebnen. Wer mehr arbeitet, soll künftig tatsächlich meist ein Plus auf dem Konto sehen. Das aber kann nur ein erster Schritt sein, um mehr Menschen - es sind vor allem Frauen - aus der Teilzeitfalle zu holen.
Minijobs sind sehr beliebt, keine Frage. Es gibt mittlerweile etwa gut sieben Millionen solcher Stellen im Land. Für Betriebe sind sie oft der Puffer, wenn mal besonders viel oder überraschend wenig zu tun ist. Wirtschaftsvertreter loben die Flexibilität der Minijobs, sprich: Die Beschäftigten kann man in der Krise schnell feuern.
Reinigungskräfte sind häufig auf Minijob-Basis angestellt.
Zur ganzen Wahrheit zählt aber auch, dass es sich viele Ehefrauen im Minijob eingerichtet haben. Für sie klingen die Rufe nach einer Abschaffung der Minijobs eher bedrohlich als verheißungsvoll. Mit dem Vollzeit-Einkommen des Mannes lässt es sich auch so gut leben. Kindererziehung, Haushalt und Hausaufgaben sind fordernd genug. Trotzdem arbeiten sie ja, leisten einen Beitrag zur gemeinsamen Kasse - und werden dafür auch noch brutto für netto entlohnt. Und später kann man ja immer noch wieder einsteigen und länger arbeiten im alten Beruf. Das alles ist verführerisch, nachvollziehbar - und kurzsichtig.